Braincap, Hartschalenhelme oder Mützen, die nichts nützen?

Viel Schutz bietet ein Braincap nicht. Dafür sehen sie richtig cool aus. Polizei und Gesetzgeber sind der Meinung, dass die Benutzung von Braincaps im Straßenverkehr verboten sei. Andere meinen, dass ein Braincap nicht verboten ist. Der zuständige Regelung in der StVO, § 21a, verbiete das nicht. Weil dieser nur ungenau vorschreibe, dass beim Fahren auf dem Motorrad ein „geeigneter Schutzhelm“ getragen werden müsse, lasse sich ein Verbot von Braincaps daraus nicht ableiten. Unabhängig davon, ob das Tragen eines Braincap erlaubt ist oder nicht. Wer mit einem Braincap einen Unfall hat, kann eine böse Überraschung erleben. Und das auch dann, wenn er gar keine Schuld an dem Unfall hat.

Helmpflicht

Seit 1976 besteht in Deutschland für Motorradfahrer die Helmpflicht. Wer ohne Helm erwischt wird, muß ein Bußgeld bezahlen. Das ist seit 1980 so. Zur Zeit werden € 15,00 fällig. Klar ist auch, dass durch das Tragen einen Helms die Verletzungsgefahr bei einem Unfall deutlich abnimmt. Die Statistiken sprechen da eine klare Sprache. Die Gebote des § 21 a StVO geltend nicht nur dem Gesundheitsschutz der Motorradfahrer. Sie dienen auch dem Schutz der Allgmeinheit. Denn weniger Verletzungen entlasten die Sozialversicherungssysteme, der Rettungsdienst fährt weniger Einsätzes usw. Zudem wird die Verkehrssicherheit verbessert.

Bis zum Jahr 2006 schrieb die Straßenverkehrsordnung den Motorradfahrern das Tragen eines amtlich genehmigten Schutzhelms vor. 2006 wurde die Vorschrift des § 21a StVO geändert. Seit dem sind „geeignete Schutzhelme“ vorgeschrieben.

amtliche genehmigte Schutzhelme

Amtlich genehmigte Schutzhelme sind in der Regel auch geeignet, wenn sie entsprechend der ECE-Norm Nr. 22 gebaut und mit Prüfzeichen versehen werden. Auch nicht genehmigte Schutzhelme dürfen verwendet werden, wenn sie eine ausreichende Schutzwirkung haben. Ungeeignet sind danach Helme irgendwelcher Art, wie Bauarbeiterhelme, Feuerwehr- oder Radfahrlelme oder Helme der Bundeswehr.

Auch amtlich geprüfte und genehmigte Schutzhelme können ungeeignet sein. Und zwar dann, wenn sie nicht für die Kopfgröße des Trägers passen, oder andere Mängel aufweisen, die die Schutzwirkung des Helms beeinträchtigen.

Schutzwirkung von Braincap

Braincaps sehen cool aus. Sie schützen aber wenig bis gar nicht. Laut den Experten des TüV-Rheinland bieten Braincaps so gut wie keinen Kopfschutz. Gesicht, Ohren und Kinn liegen völlig blank. Weil ein Braincap keine gültigen Sicherheitsstandards erfüllt, handele es sich dabei nicht um einen geeigneten Schutzhelm. Deshalb darf ein Braincap nicht im Straßenverkehr genutzt werden.

anspruchsminderndes Mitverschulden

Im Falle eines Unfalls kann das Tragen eines Braincaps für den Motorradfahrer böse Folgen haben, nicht nur gesundheitlich. Denn mehrfach entschieden die Gerichte, wie z.B. das Landgericht Köln (Az. 18 O 148/08),dass auch bei einem unverschuldeten Unfall die Ansprüche des Geschädigten gekürzt werden, wenn dessen Verletzungen auf fehlende oder unzureichende Sicherheitskleidung beruhen. Es gilt dann ein anspruchsminderndes Mitverschulden, dass dazu führt, dass bis zu 50% der Schmerzensgeld- und Erwerbsausfallforderungen gekürzt werden können.

Strafe bei Nutzung

Die € 15,00 Bußgeld wird ein cooler Biker wohl noch verschmerzen können. Viel schlimmer aber ist, dass die Polizei die Träger von Braincaps meist nicht mehr weiterfahren läßt, bis sie einen geeigneten Schutzhelm benutzen. Und das Weiterfahrverbot ist in Ordnung.

Also, jetzt da die Tage wieder länger werden und die Motorräder für die neue Saison fit gemacht werden, sollte das Augenmerk auch auf den richtigen Helm gelegt werden, damit die erste Ausfahrt nicht schon gleich wieder vorbei ist und man mit dem Helm in der Hand zu Fuß nach Hause gehen muss.

Marc Raters
März 2017